• Räumliche Entwicklung im Kanton St.Gallen

Räumliche Entwicklung im Kanton St.Gallen

14.10.2021 Marcel Mosimann, HEV Wil und Umgebung

 HEV Kanton St.Gallen: Studie zum Wohnstandort Kanton St.Gallen.
Wie steht es um die räumliche Entwicklung in unserem Kanton? Gelingt es, für die Wirtschafts­ und Wohnentwicklung ausreichend Raum bereit zu stellen? Marcel Mosimann, GL-­Mitglied des HEV Kanton St.Gallen, gibt Einblick in einen wichtigen Abschnitt aus der Wohnortstudie des Kantonalverbands.

Der Kanton ist verpflichtet, den Gemeinden quantitative Vorgaben zu machen, die kommunalen Bauzonen so zu dimensionieren, dass sie den Bedarf der nächsten 15 Jahre decken. Hierfür hat der Kanton St.Gallen ein eigenes Berechnungsmodell entwickelt. In diesem rechnet der Kanton zwischen 2020 und 2035 mit ei-nem Bevölkerungswachstum von 52›692 Personen. Das in der Studie des HEV Kanton St.Gallen verwendete Prospektivmodell von Fahrländer Partner, welches vor allem auch Markt- und Transaktionsdaten in seine Pro-gnosen einflechtet, rechnet für den selbigen Zeitraum mit einem höheren Bevölkerungswachstum von 56 324 Personen. Daher stellt sich die Frage: Hat der Kanton St.Gallen in seiner Raumplanung zu pessimistisch geplant?

Zu kleine Siedlungsreserven
Folgt man der Annahme eines positiveren Wachstums, so zeigt die Berechnung der Siedlungsgebietsdimensionierung im Jahr 2017 bei insgesamt 12 Gemeinden im Kanton St.Gallen zu hohe Reserven auf. Demgegenüber weist die überwiegende Mehrheit der St.Galler Gemeinden zu kleine und teils deutlich zu kleine Siedlungsreserven auf. Dies trifft insbesondere auf Gemeinden in den Wahlkreisen Wil, St.Gallen, Rorschach zu sowie auf einzelne Gemeinden in den Wahlkreisen Sarganserland, Werdenberg und Rheintal. Bei den bestehenden Reserven handelt es sich schwergewichtig um Reserven in unbebauten Wohn- und Mischzonen. Reserven in unbebauten Arbeitszonen und Aussenreserven in Arbeitszonen machen derweil einen deutlich geringeren Anteil aus. Bezogen auf die Anzahl Raumnutzer weist der Kanton St.Gallen mit rund 17.8m2/Raumnutzer tiefe Reserven auf.

Arbeitsplatzpotenziale nicht verfügbar
Eine kantonale Flächenpotenzialanalyse hat zudem ergeben, dass die sofort verfügbaren und auch als marktfähig geltenden Flächen nur rund 6 % aller Arbeitsplatzpotenziale ausmachen, was das vorhandene Potenzial nochmals deutlich reduziert. Zudem macht die kantonale Flächenpotenzialanalyse deutlich, dass diese Flächen, die für die Wirtschaft wirklich attraktiv sind, sich seit 2011 mehr als halbiert haben. Nur geringe Anteile der vorhandenen Arbeitsplatzpotenziale erfüllen die notwendigen Qualitäten um den Standortanforderung für wissensintensive Dienstleistungs-unternehmen (inkl. ICT) oder technologieintensive Produktion/ Präzisionstechnologien gerecht zu werden. Ebenso knapp sind die passenden Arbeitsplatzpotenziale für die industrielle Massenproduktion oder grössere Dienstleistungsunternehmen bzw. Verwaltungs− und Hauptsitze. Berücksichtigt man zusätzlich die zeitliche Verfügbarkeit wird klar, dass im Bereich des Flächenbedarfs für die Wirtschaft grosser Handlungsbedarf besteht.

Wirtschaftliche Schwerpunktgebiete mit (zu) langem Planungshorizont
Im Richtplan werden wirtschaftliche Schwerpunktgebiete sowie strategische Arbeitsplatzstandorte definiert, um für den zukünftigen Bedarf bzw. für Ansiedlungen von Unternehmen vorbereitet zu sein. Wie sich etwa am Beispiel Wil-West – einem wirtschaftlichen Schwerpunktgebiet der Kategorie A – zeigt, scheint es fraglich, ob alle ausgewiesenen Standorte das Kriterium der zeitnahen Verfügbarkeit auch effektiv erfüllen können. Berücksichtigt man diese zeitliche Verfügbarkeit wird klar, dass im Bereich des Flächenbedarfs für Arbeitsplatzpotentiale im Kanton St.Gallen grosser Handlungsbedarf besteht.